| |
2. Kapitel
2 Medizinische Bildverarbeitung
Computergestützte Bildverarbeitung eignet sich vor allem für Aufgaben, die entweder routinemäßig in großer Zahl
anfallen (zum Beispiel Reihenuntersuchungen der weiblichen Brust zur Früherkennung von Krebs) oder bei
Aufgaben, bei denen die Vorstellungskraft des Arztes nicht mehr ausreicht und deshalb der Computer das
überforderte Vorstellungsvermögen unterstützen muss.
Um einen Verdacht auf Knochenbruch abzuklären, ist immer noch eine Röntgenaufnahme das beste Diagnosemittel.
Es ist fast überall verfügbar, schnell und kostengünstig. Der Arzt kann solche Bilder ohne Hilfsmittel bewerten und
somit auch schneller handeln.
Wenn nun ein Patient unter starker Beeinträchtigung oder Ausfall von Sinnesleistungen wie Gedächtnisschwäche
oder motorischen Störungen leidet, kommt in der Regel eine Fülle von möglichen Ursachen in Frage.
In solchen Fällen ist meist computergestützte Verarbeitung tomographischer Bilder die einzige Methode, den
Krankheitsherd aufzuspüren und einen Operationsweg dorthin zu finden.
Neurochirurgen und Radiologen sind es zwar gewohnt mit Hilfe ihres Vorstellungsvermögens aus den
Schichtbildern des Körperinneren auf die dreidimensionale Struktur zu schließen; dies erfordert jedoch sehr viel
Erfahrung. Dieses Vorstellungsvermögen stößt jedoch bei komplexeren Strukturen an seine Grenzen.
Bei der präoperativen Planung geht es darum, ein dreidimensionales Modell vom Patienten zu schaffen, an dem der
Chirurg die beste Operationstechnik und den schonendsten Zugangsweg bestimmen kann.
Ein Tomographiegerät erzeugt normalerweise ein Tomogramm, das heißt ein Bild von einer Ebene, die man sich
durch den menschlichen Körper gelegt vorstellen kann.
Das Tomogramm wird wie ein Fernsehbild nämlich aus lauter Pixeln (picture elements) zusammengesetzt. Pixel
sind kleine Quadrate, aus denen das Bild zusammengesetzt wird. Zu jedem dieser Pixel gehört eine Zahl, die einer
physikalischen Größe entspricht. Diese Größe ist zum Beispiel die lokale Dichte von Wasserstoffatomen, die als
Grauwert dargestellt wird.
Das Tomographiegerät macht nacheinander Schnittbilder. Das heißt wenn ein Schnittbild gemacht ist, verschiebt das
Gerät die Aufnahmeebene zum Beispiel um einen Millimeter. Wenn man nun alle aufgenommenen Schnittbilder
sozusagen aufeinander reiht, ergibt sich einen Datenquader.
Dieser Datenquader besteht nicht mehr aus Pixeln, sondern aus kleinen Würfeln (volume element, Voxel).
Um nun ein Stück des menschlichen Körpers überzeugend darstellen zu können, muss man den Datenquader in
verschiedenen Schritten bearbeiten.
Das menschliche Sehsystem erkennt die Gestalt von Oberflächen unter anderem, indem es aus der Verteilung von
Licht und Schatten, Schlüsse zieht. Wenn man auf dem Computer zeigen will, wie ein Organ oder ein Tumor
geformt ist, muss man die entsprechende Struktur so auf dem Bildschirm darstellen, als wäre die Struktur beleuchtet.
Außerdem müssen darüber liegende Schichten transparent sein.
Um eine bestimmte Struktur darstellen zu können, muss man das Bild zerlegen (segmentieren). Jedem Voxel wird
dabei eine Kennung gegeben, die eine Aussage darüber macht, welcher anatomischen Struktur es angehört. Ein
erstes Kriterium dafür ist der Grauwert selbst. Zum Beispiel absorbieren Knochen die Röntgenstrahlen stärker als
andere Gewebe, weshalb auch Knochen in klassischen Röntgenbildern sehr leicht zu erkennen sind. Es gibt aber nur
sehr geringe Unterschiede zwischen gesundem Gewebe und einem Tumor. Dazu kommen noch
Messungenauigkeiten, die zusätzlich negativ auf das Bild einwirken und das Segmentieren schwieriger machen.
2.1 Filterung
Da die gewonnenen Rohbilder nicht immer von bester Qualität sind (vor allem bei Ultraschall Untersuchungen),
muss man sie mit unterschiedlichen Methoden nachbessern.
Realisiert werden solche Filter durch Algorithmen, die an Stelle des Originalwerts einen anderen Grauwert setzen.
Der neue Grauwert wird mit Hilfe von Daten aus seiner Umgebung berechnet.
Mit Verfahren aus der Mathematik kann man z.B. einerseits den Kontrast erhöhen, andererseits kleine Lücken
entlang der Kontur schließen. Es gibt auch weitere Verfahren, die zur Identifikation und Segmentierung homogener,
zusammenhängender Regionen dienen.
|  |
|
| |
|
|